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Gespräch mit Armin Kroder, dem neuen Bezirkstagspräsidenten von Mittelfranken

Der Jurist, Jahrgang 1973, ist bekannt als ein sehr eloquenter und kompetenter Kommunalpolitiker der Freien Wähler. Seit 2008 ist er Landrat im Nürnberger Land, seit 2013 Bezirksrat in Mittelfranken, außerdem noch stellvertretender Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern. Alles Posten und Positionen, die allein schon einen Fulltime-Job darstellen. Seit November 2018 ist er nun auch Bezirkstagspräsident in Mittelfranken, löst Richard Bartsch nach seiner 15-jährigen Amtszeit ab und beendet somit auch die Ära der CSU-Präsidenten.
Wie schafft es Armin Kroder, all diesen Aufgaben gerecht zu werden?

Zuerst schmunzelt er, dann eine klare Aussage: „Das geht nur, wenn man ein gutes Team um sich hat, das miteinander harmoniert.“ Sein Plan war es nicht, nach dem Landratsmandat, das ihm sehr viel Spaß macht und seine tatsächliche Hauptaufgabe ist, auch das Amt des Bezirkstagspräsidenten anzupeilen. „Ich war nicht auf der Jagd nach einem neuen Amt“, gibt er offen zu.  Nach der Bezirkswahl im Oktober 2018 kamen jedoch mehrere Gruppierungen auf ihn zu und konnten sich eine Zusammenarbeit mit ihm als Präsidenten gut vorstellen. Armin Kroder war zu diesem Zeitpunkt im Team Aiwanger, welches gerade in spannenden Koalitionsverhandlungen mit der CSU stand, um Bayern gemeinsam zu regieren. „Das war eine sehr interessante und wichtige Erfahrung“, bemerkt Kroder rückblickend. Somit war es ihm kaum möglich, auch in Mittelfranken die Gespräche auf Bezirksebene zu führen. Da bereits kristallisiert sich sein Führungsstil heraus, nämlich in einem Team zu arbeiten, das ihm zuarbeitet und unterstützt. „Ich habe sehr großen Respekt vor meinem Vorgänger, der ein sehr präsenter Präsident war und dem Bezirk tatsächlich ein Gesicht gegeben hat. Bei mir hat der Bezirk viele Gesichter“.

Intern möchte Armin Kroder in einem offenen und fairen Dialog die Gräben schließen, die sich bei der knappen Wahl, 17 zu 16 Stimmen für ihn, aufgetan haben. „Es gab sicherlich Enttäuschungen und Verletzungen, auch auf persönlicher Ebene“, bemerkt er sichtlich betroffen. „Es geht aber um Sachpolitik, die wir machen wollen und müssen“.

Ein großer Schwerpunkt der nächsten Monate wird das Thema Bezirkskliniken sein. Bis zum Jahresende wird ein Team aus internen und externen Experten mit einem neuen Organigramm, soliden Führungs- und Finanzierungkonzepten die Bezirkskliniken und ihre über 3.000 Mitarbeiter zukunftsfähig aufstellen.
Die Umsetzung des neuen Bundesteilhabegesetzes stellt den Bezirk vor eine weitere Mammutaufgabe. Nicht nur über 40 Mitarbeiter müssen eingestellt und eingearbeitet werden, sondern die Praxistauglichkeit des Gesetzes mit allen Sozialverbänden auch geprüft werden.

Mit dem Erweiterungsbau am Bezirksrathaus, der im Herbst 2019 eingeweiht werden soll, stellt sich der Bezirk in der Region als moderner und expandierender Arbeitgeber dar. Bei der Besetzung der vakanten Stellen konkurriert der Bezirk mit anderen Kommunen im Raum um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Auf dem diplomatischen und internationalen Parkett tritt Armin Kroder in sehr große Fußstapfen. Sein Vorgänger, Richard Bartsch, war in den Partnerregionen Nouvelle-Aquitaine und Pommern ein gern gesehener und engagierter Gast. „Ich wünsche mir, dass sich Richard auch weiterhin als Bindeglied in diesen Partnerschaften engagiert, denn persönliche Freundschaften sind weitaus wichtiger als offizielle Kontakte.“ Für Kroder steht außer Frage, dass er sich stets für die europäischen Begegnungen stark machen wird, denn „nur wenn wir uns kennen, bauen wir Nationalismen und Egoismen vor“.

Ebenso wichtig wie die europäischen Partnerschaften ist Armin Kroder seine Familie. Sie ist für ihn Keimzelle und Kraftzentrum für seine zeitintensiven und teilweise nervenaufreibenden Jobs. „Ohne den Rückhalt meiner Frau und der Großeltern könnte ich all meine Aufgaben nicht so erfüllen, wie es dem Amt und den Bürgerinnen und Bürgern gerecht wird.“

Wir danken für das freundliche Gespräch, denn die nächsten Termine stehen an und der Kalender des neuen Bezirkstagspräsidenten ist prall gefüllt.