Inge Kötzel, alle Fotos: ©Michael Vogel

 

Inge Kötzel im Portrait

 

Schon als Kind hat sie viel gemalt – ein Zeichenblock nach dem anderen wurde in kürzester Zeit vollgemalt und der Nachschub konnte nicht schnell genug kommen. Doch es waren entbehrungsreiche Nachkriegszeiten in denen Inge Kötzel (Jahrgang 1947) ihre Leidenschaft für die Kunst entdeckte, eine Leidenschaft, die sie über Jahrzehnte begleitet und ihr Leben geprägt hat.

Wie damals üblich, musste man einen ‚gscheiten’ Beruf erlernen, um über die Runden zu kommen. Für Kunst blieb neben Arbeit und Familie zu wenig Zeit und zu wenig Muße.

Die Lust auf Kunst erlischt jedoch nie und so startet Inge Kötzel ab 1990 in ein ‚neues’ Leben: Die Kinder sind aus dem Haus und für sie bleibt nun endlich Zeit zum Malen.

In zahlreichen Kursen in der Region und darüber hinaus arbeitet die Autodidaktin sehr viel: Sie experimentiert, korrigiert, interpretiert und schafft so viele Werke. Manche sind auf Anhieb gelungen, andere wollen sich einfach nicht zum gewünschten Ergebnis entwickeln. Lust und Frust liegen eng beieinander. Streng mit sich selbst und selbstkritisch geht Inge Kötzel ihren Weg weiter. Sie entdeckt für sich als Lieblingstechnik das Aquarellieren und als Lieblingssujet den Menschen und sein Seelenleben. Letzteres auch geprägt durch die malerische Hospitanz bei den Theaterprobe von Eckart Böhmer zu Kaspar Hauser.

Der Mensch in seinen Bewegungsabläufen und vor allem „Körper und Tanz“ prägen die Werke, für die Inge Kötzel 2005 den 2. Ansbacher Kunstpreis erhält.

Dieser Preis ist Ansporn und Motivation, sich noch intensiver mit ihrer Leidenschaft zu beschäftigen. Diese gibt sie bereits seit 2000 auch als Dozentin an zahlreiche ‚Schüler’ weiter. Die Kurse von Inge Kötzel sind schnell ausgebucht, denn auch als Lehrende strahlt sie Kompetenz, Kreativität und auch produktive Kritikfähigkeit aus, die die Lernenden gerne aufnehmen.

Inge Kötzel setzt sich auch sehr kritisch mit der aktuellen Situation unserer Kreativgesellschaft auseinander und vor allem mit der Künstlichen Intelligenz: „Kreativität ist das einzige Gebiet, in dem wir der Künstlichen Intelligenz noch überlegen sind. Und das muss auch so bleiben. Darum müssen Kinder zeichnen, malen und schreiben – mit der Hand schreiben, nicht nur tippen oder wischen. Der Weg durch die Sinne ins Gehirn und von dort in die Hände ist allein schon für die Grob- und Feinmotorik wichtig, aber auch für das Umsetzen von Ideen. Es darf nicht geschehen, dass Maschinen den Menschen überlegen werden. Was macht schon glücklicher als ein eigenes vollendetes, gelungenes Werk?“

Und so unterrichtet Inge Kötzel auch sehr gerne Kinder und Jugendliche und unterstützt das neu gegründete Kunstforum, wie Jahre zuvor auch das Speckdrumm, wo sie für die Sparte Bildende Kunst verantwortlich zeichnete, Workshops und Ausstellung organisierte und Protokoll führte. Den Kunstverein Brücke ´92 unterstützte sie ebenso bei verschiedenen Events.

Ihr eigenes künstlerisches Schaffen steht jedoch im Vordergrund. So nimmt sie sehr gerne an Malkursen im In- und Ausland teil und stellt ihre Werke öfter auch in der Region aus. Sie ist immer noch sehr selbstkritisch und räumt unumwunden mit der Vorstellung auf, das alles Kunst ist und jedes Werk gleich als solches zu werten sein muss. Kunst ist für sie ein ständiger Prozess, harte Arbeit, geprägt von Erfolg und Misserfolg aber auch von Stolz, wenn das vollendete Werk nicht nur den Betrachter sondern auch den Künstler zufriedenstellt. So pflichtet sie Manfred Hönig, einem der Kunstpreisträger 2018 bei, der in einem Artikel über „Alles Kunst oder was?“ erklärte: „Jedes Bild … ist ein Zwischenstation auf dem Weg zu mehr Komplexität, zu mehr Können und je mehr Fehler man in älteren Arbeiten findet, desto weiter ist man auf dem Weg gekommen. Auf diesem Weg gibt es kein Ende und das ist das Schöne an der Kunst, egal ob als Hobby oder als Beruf.“

Inge Kötzel kann man als Dozentin erleben bei den Aquarelltagen am 4. Mai in Ansbach und 29. Juni in Hilsbach, jeweils von der vhs organisiert.

Inge Kötzel stellt demnächst im Rahmen von Gemeinschaftsausstellungen aus: Ab 4. April im Kunsthaus Ansbach sowie in der Reithalle des Schlosses Dennenlohe ab 28. April.

Bewegt erläutert Inge Kötzel in ihrem Atelier die Geschichte und Entstehung ihrer Werke …

oft entstehen ihre Arbeiten spontan, aus einer erlebten oder in einer momentanen Situation in der sie ihre Empfindung auf das Papier/Leinwand überträgt und sie arbeitet auch gerne mit Acryl-Mischtechniken …