Fotos: © Michael Vogel

 

 

„So ist halt Ansbach“, sagen viele …

Im September 2018 schlägt der Arbeitskreis Kultur einstimmig und die Fraktion der FREIEN WÄHLER dem Kulturausschuß des Stadtrates Matthias Rupp für den Ansbacher Jugendkulturpreis 2018 vor. Der gelernte Fahrzeuglackierermeister und staatlich geprüfte Gestalter hat seine Berufung in der Musik gefunden –  nicht in der melodisch-klassischen, sondern im Hip-Hop und Beats. Er ist so talentiert, dass bekannte Rapper seine Musikkompositionen für ihre Produktionen gerne erwerben.

Stadträte hatten danach in den Texten des Rappers „Weekend“ Passagen im Internet gefunden, die sie als kritisch und gewaltverherrlichend empfunden hatten. In nicht öffentlicher Sitzung, deren Inhalt von einer örtlichen Tageszeitung dennoch bekannt gemacht wurde, hat man die anstehende Entscheidung heftig debattiert. Die fundierte Aufklärung, dass Matthias Rupp alias MazeOne nur für die musikalische Untermalung (Beats genannt) und keineswegs für die Texte verantwortlich zeichnet, wurde nicht akzeptiert.

Eine knappe Mehrheit von CSU, BAP, ÖDP und die Oberbürgermeisterin entscheiden, dass MazeOne den Jugendkulturpreis nicht bekommen soll.

 

fränx-online stellt MazeOne vor:

Er ist ein wenig zurückhaltend: „Wird das Gespräch mit Mikrofon geführt?“ Die Reaktion ist nachvollziehbar, nach all dem Zinnober, den Matthias Rupp, alias MazeOne in den letzten Tagen erdulden musste. Er ist erleichtert, da nur ein lockeres Gespräch geführt werden soll.

Bereits in seiner Ausbildungszeit stellte er sich mehreren Wettbewerben und erreichte u.a. den 3. Platz beim Bundesleistungswettbewerb für Fahrzeuglackierer. Das kompetitive Wettbewerbsfeeling blieb ihm erhalten – allerdings auf einer anderen Ebene – und dort heißt es „battlen“! Diese Ebene ist die Musik und der melodische Wettstreit.

Die jungen Ansbacher kennen Matthias Rupp als MazeOne, der es unter anderem bei „Panda Yolanda“ mit seinen Beats und dem markanten dröhnenden Bass versteht, das Publikum zum Kopfnicken zu kriegen.

MazeOne – Beats haben einen hohen Wiedererkennungswert. Der Mix aus „klassischen“ Beat-Elementen, wie organischen Schlagzeugsounds, analoge Baselines und „modernen“ Synthesizerklängen und elektronischen Sounds, machen ihm einen Namen in der nationalen und internationalen Szene und so produzierte er u.a. auch sechs Beats für den Rapper „Weekend“, der 2017 auf Einladung der Stadt (!) bei den „Ansbach Open“ aufgetreten ist.

In der Fachszene wird das neue Album (Chartplatzierung 23) des Rappers wie folgt beschrieben: „Allein die Vielfalt der Beats, auf denen Weekend rappt, ist jedes Mal erstaunlich. Kein Wunder, schließlich hat der Rapper mit Peet und MazeOne zwei der besten Beatproducer Deutschlands am Start…“

MazeOne ist ein „Hidden Champion“, dessen Wirkungskreis weit über die Grenzen Ansbachs hinausreicht und viele junge Menschen erreicht, deren musikalische Heimat der Rap und Hiphop ist. Er ist – auch der Musik zuliebe – nach Wien gezogen, wo er seit einem knappen Jahr lebt und seinen Traum vom freischaffenden Beatproduzenten zu verwirklichen versucht.

Auch wenn sein musikalisches Wirken nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen begeistert, trifft MazeOne den musikalischen ‚Nerv‘ vieler junger Menschen auch in Ansbach und ist aufgrund seiner Professionalität und Popularität ein absolut würdiger Anwärter auf den Jugendkulturpreis 2018. Diesen Vorschlag, Matthias Rupp alias MazeOne mit dem Jugendkulturpreis 2018 auszuzeichnen, hat der Arbeitskreis Kultur einstimmig dem Kulturausschuss bzw. Stadtrat empfohlen. Der talentierte junge Mann, der seit Jahren schon bei Panda Yolanda und anderen Jugendveranstaltungen in Ansbach eigene komponierte Elektronikmusik auflegt, hat bereits viele Fans in vollen Räumen in der „Kammer“ oder im „Speckdrumm“ begeistert.

„Na klar, der ist echt super“, sagten einige anwesende Veranstalter, die mit MazeOne schon öfters zusammengearbeitet haben. Wenige Wochen später, nachdem der Stadtrat entschieden hatte, zwei Preisträger zu küren, wurde das Thema ein weiteres Mal auf die Tagesordnung gesetzt, denn Stadträte hatten in den Texten des Rappers „Weekend“ Passagen im Internet gefunden, die sie als kritisch und gewaltverherrlichend empfunden hatten. In nicht öffentlicher Sitzung, deren Inhalt dennoch von einer örtlichen Tageszeitung veröffentlicht wurde, hat man die anstehende Entscheidung heftig debattiert.

Die fundierte Aufklärung, dass MazeOne nur für die musikalische Untermalung (Beats genannt) und keineswegs für die Texte verantwortlich zeichnet, wurde nicht akzeptiert. Eine knappe Mehrheit von CSU, BAP, ÖDP und die OB entscheiden, dass MazeOne den Jugendkulturpreis nicht bekommen soll.

Matthias Rupp war enttäuscht und entrüstet als er von Freunden und der Familie erfährt, was in der „Fränkischen Landeszeitung“ über ihn geschrieben und vor allem, dass ihm der Preis von einem Teil des Stadtrates abgesprochen und verwehrt wurde. Unfassbar für viele, die Matthias kennen. Ihn und sein ganzes musikalisches Wirken auf Texte zu reduzieren, die er gar nicht geschrieben hat, ist unglaublich und unfair. Die Entrüstungswellen in den sozialen Medien rollen, Sympathiebekundungen von allen Seiten,
Entsetzen über die Entscheidung eines Teiles des Stadtrates. MazeOne betont: „Ich habe noch nie einen einzigen Text geschrieben, das ist nicht meine Welt!“

Er erzählt, dass er sich geschmeichelt und geehrt gefühlt hat, als „Weekend“, den er bei einem Battle in Stuttgart kennengelernt hat und zu diesem Zeitpunkt schon eine bekannte Größe in der Szene war, ihn um Beats für sein neues Album gebeten hat. Welcher junge Musiker, der sich in solch einer Zusammenarbeit ein ‚Ticket’ für die nächste Stufe erhofft, hätte das abgelehnt? Vor allem, weil „Weekend“ in der Szene als einer der ‚harmlosesten’ Rapper gilt.

Wer kennt sich aber in dieser Musikszene aus – bestimmt kaum ein Ansbacher Stadtrat. „Wenn man in die Charts guckt, sind 80 % Hip-Hop-Musiker vertreten. Diese Musikrichtung, egal ob sie gefällt oder nicht, gehört zum Alltag vor allem der jungen Menschen nicht nur in Ansbach, sondern weltweit“, so Matthias. Traurig, dass Unwissen und auch Mutlosigkeit dazu geführt haben, diesen talentierten Musiker und Beatproducer in seiner Heimatstadt zu demontieren. Mittlerweile wird der junge Musiker in ganz Deutschland und auch in Wien wegen seiner originellen und einprägsamen Beats gefeiert. Wie war das mit dem Propheten im eigenen Land?

„So ist halt Ansbach“, sagen viele, die sich auf den Straßen der Rezatstadt über dieses Thema unterhalten. „Man macht nichts für junge Leute, kein Wunder, dass sie diese Stadt, in der sie aufgewachsen sind und wo ihre Freunde und Familien leben irgendwann verlassen, wenn sie ein besonderes Talent haben.“

Diesen Weg hat auch Matthias Rupp eingeschlagen. Matthias lebt derzeit in Wien und ist dabei sich dort musikalisch zu etablieren. Er ist nicht blauäugig, denn er weiß, dass dieser Weg langwierig und schwierig sein kann.

Mit seinem Handwerksberuf als Lackiermeister könnte er sicher beständiger seinen Lebensunterhalt bestreiten. Es ist aber – im Augenblick – nicht seine Welt. Diese wird vom Musikkomponieren und Produzieren bestimmt – egal ob mit oder ohne den Ansbacher Jugendkulturpreis. Diese ‚Affäre’ hat der Stadt Ansbach mehr geschadet und sie im Ansehen der einheimischen Jugendlichen sinken lassen. MazeOne ist wegen des Trubels jetzt noch deutlich mehr im Fokus der Jugendlichen, auch wenn es ihm etwas ungeheuer ist. Er sieht sich lieber im Hintergrund, mit seinen Kopfhörern vor dem Laptop stehen und seine Musik spielen, die junge Menschen begeistert.

Dieser talentierte junge Mann beeindruckt, wie er unaufgeregt und besonnen mit dieser Situation umgeht, in die er unverschuldet geraten ist. Es ist ihm weiterhin viel Erfolg und aufgeschlossenere und mutigere Entscheider zu wünschen, die seinen musikalischen Wert zu würdigen wissen.