Von links: Bauherr Hermann Pfeiffer erläutert die Umbaupläne der Gebäude Pfarrstraße 16 – 20; Christian Grözinger, Geschäftsbereichsleiter Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., Vorstandvorsitzender des Fördervereins des Kaspar-Hauser-Zentrums, Vorstand Verein zur Förderung junger Menschen e.V. (Parzival-Zentrum); Melanie Reveriego, Schulleiterin und Vorstand Parzival-Zentrum; Bernd Ruf, Geschäftsführender Vorstand Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., Schulleiter und Vorstand Verein zur Förderung junger Menschen e.V. (Parzival-Zentrum); Uwe Decker, Geschäftsführer gGmbH Das Kind Europas – Kaspar-Hauser-Zentrum für heilende Pädagogik; Eckart Böhmer, Intendant der Kaspar Hauser Festspiele in Ansbach. Foto: © Michael Vogel

 

Das Ende eines langen Leerstandes – zukünftig Seminarhaus mit 6000 Übernachtungen im Jahr

 

15 Jahre steht das ehemalige Gebhard-Haus am Montgelasplatz in Ansbach leer. Ein schmerzlicher Leerstand im Herzen der Stadt für den schon einige Ideen und Konzepte wieder im Papierkorb gelandet sind. Jetzt wird quasi „aus dem Nichts“ ein überraschendes und wirklich grandioses Projekt vorgestellt das tatsächlich realisiert wird!

Bei dem Pressegespräch kündigte Eckart Böhmer, Intendant der Kaspar-Hauser-Festspiele, eine „win-win-win-win-Situation für alle Beteiligten und die Stadt Ansbach an: „Junge Seminarteilnehmer werden Botschafter Ansbachs“.

Der Bauherr und Architekt Hermann Pfeiffer, Inhaber der Planung und Service GmbH aus Ansbach und der zukünftige Betreiber eines Seminarhauses, Bernd Ruf, Schulleiter des Parzival-Schulzentrums in Karlsruhe und geschäftsführender Vorstand der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, stellten das ambitionierte Projekt vor.

Es entsteht eine gemeinnützige GmbH mit dem Namen „Das Kind Europas – Kaspar Hauser Zentrum für heilende Pädagogik“. Hinter dem langen Namen versteckt sich ein geniales Konzept. Uwe Decker, Geschäftsführer der GmbH Das Kind Europas – Kaspar-Hauser-Zentrum für heilende Pädagogik, erläuterte es den Pressevertretern.

Im Wohn- und Sterbehaus Kaspar Hausers wird ein Seminar- und Tagungszentrum sowie ein integriertes Gästehaus mit 50 Betten in den oberen Etagen entstehen. Im Erdgeschoß soll ein Demeter-Restaurant mit Café und zusätzlicher Außenbewirtschaftung eingerichtet werden, das selbstverständlich auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Dafür wurde Konrad Geiger, ein bekannter Bio-Spitzenkoch, als professioneller Berater gewonnen. Jährlich werden ca. 1800  junge Menschen im Hause für einen nationalen und internationalen Freiwilligen-Dienst ausgebildet und es werden ca. 6000 Übernachtungen pro Jahr sein.

Es ist auch möglich, im Rahmen einer Städte- oder Schulpartnerschaft, die jungen Besucher im Seminarhaus unterzubringen.

Es wird ein Galerie-Shop eingerichtet. Das Kaspar-Hauser-Archiv unter der Leitung von Eckart Böhmer wird einziehen. Dieses Archiv beinhaltet die umfangreichste Privatsammlung von Kaspar-Hauser-Dokumenten Europas und existiert derzeit in Berlin. Das Zimmer, in dem Kaspar Hauser wohnte, soll als Gedenkraum gestaltet werden.

In dem Haus wird auch eine Ambulanz für Notfallpädagogik eingerichtet um traumatisierten Kindern zu helfen. Ein wesentlicher Aspekt des Projektes ist die weitreichende Beteiligung von Menschen mit Unterstützungsbedarf. Entsprechenden Einrichtungen in der Region werden noch angesprochen.

Darüber hinaus bietet das Kaspar-Hauser-Zentrum Raum für Seminare und Kurse, die von Jedermann veranstaltet werden können. Eine enge Zusammenarbeit mit Sozialverbänden und Einrichtungen, mit dem Bundesfreiwilligendienst und mit Organisationen vor Ort soll gewährleisten, dass viele junge Menschen aus ganz Deutschland in diesem Zentrum betreut und ausgebildet werden, dort arbeiten oder forschen.

185 Jahre nach Kaspar Hausers Tod soll in ‚seinem’ Haus in Ansbach wieder Geschichte geschrieben werden. Das Projekt ist nicht nur wegen seiner Konzeption sehr ehrgeizig sondern besticht durch die Dynamik und das Engagement aller Beteiligten.

Nach den ersten Gesprächen im Frühjahr 2018 wird im Frühjahr 2019 der Umbau beginnen um bereits Mitte 2020 ‚an den Start’ zu gehen. Die ersten über 1000 Übernachtungen sind schon durch Seminarteilnehmer eingeplant.

Die Umsetzung ist eine besondere Herausforderung für den Architekten, der das ca. 5 Mio Projekt erst einmal aus eigenen Mitteln stemmen wird, sicherlich vor dem Hintergrund eines 30-jährigen Mietvertrages. Es ist ein absolut bemerkens- und lobenswerter Invest in der Beamtenstadt Ansbach.

Und, wie kam  dieses Projekt zustande? Die Intitialzündung fiel bei den Kaspar-Hauser-Festspielen 2016. Bernd Ruf aus Karlsruhe war als Pädagogik-Referent nach Ansbach eingeladen und seit Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Seminargebäude. Als er vor dem alten „Gebhard-Haus“ stand, in dem ehemals Kaspar Hauser lebte, erkannte er die wunderbare Möglichkeit, hier den Wunsch umzusetzen.

Der frisch gekürte Ansbacher Kulturpreisträger Eckart Böhmer brachte hat die Protagonisten aus Karlsruhe und Ansbach zusammen. Der Besitzer des Gebäudes, Hermann Pfeiffer,  hat die Idee begeistert aufgenommen und ist seit Frühjahr 2018 mit dem KHZentrums-Geschäftsführer Uwe Decker dabei, das Vorhaben umzusetzen. „Die  Baupläne der letzten Jahre konnten mit wenigen Veränderungen übernommen werden und weitere technische Aufgaben können sicher gelöst werden“ erläutert Pfeiffer. Er ist sicher, dass hier ein ausgezeichnetes Ergebnis gelingen wird.

Eine gute Botschaft für die Stadt und ein lobenswertes Beispiel. Weitblick, Mut und Leidenschaft für ein gutes Konzept und für die Historie Kaspar Hauser sowie für Ansbach ermöglichen diese besondere einmalige Lösung!