Fotos: © Michael Vogel

 

 

… vom 13. – 22. Juli in Dinkelsbühl

 

In den Jahren 1618 bis 1648 verwüstete der 30-jährige Krieg weite Teile Deutschlands und verursachte unendliches Leid. Dinkelsbühl aber blieb durch glückliche Fügung von Zerstörung und Plünderung verschont. Die sagenhafte Rettung vor den Schweden, die im Jahr 1632 die Reichsstadt bedrohten, bildet daher noch heute den Hintergrund für ein farbenprächtiges Fest. Die Kinderzeche ist Höhepunkt eines jeden Jahres und nimmt unter den Kinder- und Heimatfesten in Süddeutschland einen hervorragenden Rang ein. Der Überlieferung nach war es das beherzte Eingreifen der Türmerstochter Lore, das die Stadt vor „allem Elend“ bewahrte. Während der katholische Rat noch zögerte und die Stadttore verschlossen hielt, zog Lore zusammen mit allen Kindern Dinkelsbühls dem Feind entgegen und erweichte das Herz der schwedischen Krieger.

Festlich wogt die bunte Menge, Freude winkt allüberall.“ So beschreibt die „Kinderzechhymne“ die Begeisterung, die nach wie vor in der alten Reichsstadt herrscht, wenn alljährlich im Juli das traditionelle Heimatfest gefeiert wird. Eine ganze Woche lang gilt der Ausnahmezustand an der Wörnitz. Denn dann lagern wieder schwedische Truppen vor den Mauern, die Tore werden von Stadtsoldaten bewacht und das historische Festspiel lässt die dramatische Ratssitzung noch einmal aufleben.

Unter den süddeutschen Heimatfesten zeichnet sich die Dinkelsbühler Kinderzeche vor allem durch die Vielfalt aus. Seit über 100 Jahren gibt es das historische Festspiel, das den Besucher mit dem kriegerischen Geschehen des Jahres 1632 vertraut macht.

Den prächtigen Schrannensaal nach der Aufführung der dramatischen Ratssitzung verlassend, erleben die Zuschauer vor dem Wörnitztor die Übergabe der Stadt an die schwedischen Sieger. Sie werden mitgerissen von dem Flehen der Kinderlore und ihrer Kinderschar vor dem Schwedenobristen. Tatsächlich ist der rauhe Krieger so gerührt, dass er die Stadt vor Plünderung und allem Elend verschont.

Beim anschließenden Festzug vermischen sich die bunte schwedische Soldateska, die unschuldigen Kinder, die ernsten Mienen der Räte mit vielen anderen Gruppen und der Dinkelsbühler Knabenkapelle zu einem unvergesslichen Gesamteindruck.

So prägen Gemeinsamkeit und Bürgersinn seit Jahrhunderten die Kinderzeche.

Nach der dramatischen Stadtübergabe und dem Einzug der Schweden beginnt ein großer Festzug in historisch-getreuen Gewändern durch die Gassen der festlich geschmückten Stadt. Darbietungen, wie der Schwertertanz des Zunftreigens begleitet von den Trommlern und Pfeifern, machen das Schauspiel perfekt.

Dankbar für die Errettung zeigt sich die Stadt auch mit den „Kinderzechgucken“: bunte Papiertüten gefüllt mit Süßigkeiten, die an alle Kinder im Festzug verteilt werden. Am Abend des 22. Juli schließlich versammeln sich Einheimische und Gäste auf dem feierlich beleuchteten Weinmarkt und die Knabenkapelle beendet mit einem Großen Zapfenstreich die Festwoche. Für die Dinkelsbühler ist dies zwar immer ein etwas wehmütiger Abschied von ihrer „fünften Jahreszeit“, doch auch im nächsten Jahr ist wieder Kinderzeche und Tausende von Besuchern werden sich von der sagenhaften Rettung der Stadt begeistern lassen.