Stadtheimatpfleger Oskar Geidner präsentierte den Gästen seine Heimatstadt. Links der 2. Vorsitzende und Schriftleiter Prof. Georg Seiderer. Foto: © FR Presse

 

WOLFRAMS-ESCHENBACH (fr) – Wer Regierungsbezirk historisch und kunstgeschichtlich interessiert ist, der hat im Historischen Verein für Mittelfranken eine gute Heimat. 356 Mitglieder bilden das organisatorische Korsett dieser Vereinigung, die nicht nur ein wissenschaftlich fundiertes Jahrbuch, sondern auch die „Mittelfränkischen Studien“ herausgibt, die ein wertvoller Bestandteil der historischen Forschung sind.  Den Mitgliedern mit ihrem Vorsitzenden, Regierungspräidenten Dr. Thomas Bauer, gab Bürgermeister Michael Dörr im Deutschordensschloss einen Empfang. Schon bei einem Stadtrundgang informierten Stadtheimatpfleger Oskar Geidner (er ist zugleich Geschäftsführer des Historischen Vereins für Mittelfranken) und sein Sohn Thomas (ein angehender Historiker) die Gäste über das Kleinod des Mittelalters. „Eine schöne Stadt und christliche Häuser bauen“, dieser im Mittelalter manifestierte Anspruch ist in Wolframs-Eschenbach nach Ansicht von Dr. Thomas Bauern eindrucksvoll realisiert worden. 

Dass das mittelalterliche Erbe für die Nachkommen Lust und Last zugleich ist, das machte Rathauschef Michael Dörr deutlich. Die Stadt, die um 1500 als Stadt des Deutschen Ordens mit damals schon 1300 Einwohnern (im Vergleich: Gunzenhausen zählte damals 870) eine wichtige Rolle spielte, hat sich in den letzten Jahrzehnten den realen Herausforderungen gestellt. Sie ist gewachsen wie selten eine historische Kleinstadt, in den letzten zehn Jahren hat die Stadt allein 120 Bauplätze verkauft. Damit ist sie die prozentual am stärksten gewachsene Gemeinde Mittelfrankens. Wie Dörr bemerkte, habe die Stadt ihr „angestaubtes Image“ aufpoliert, nicht zuletzt durch das in der Region einmalige Oldie-Town-Festival, zu dem an die 15000 Besucher kommen. Den Relaunch bestätigte Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer, der den Rathauschef als „Frank Sinatra von Eschenbach“ kennengelernt hat und ihn als „besten Sänger unter den Kommunalpolitikern weit und breit“ rühmte. 

60 Häuser in der Altstadt stammen noch aus dem 15. Jahrhundert. Vorbildlich restauriert wurden zuletzt die „Alte Vogtei“ und das ehemaligen Lammswirtshaus. Allein die Renovierung der Stadtmauer, die in den nächsten Jahren ansteht,  hat einen Investitionsbedarf von vier Millionen Euro. Dazu kommen noch die Grundsanierung des Gasthauses „Zur Traube“ und eines Hauses aus dem Jahr 1410, das einen seltenen Zeltdachkeller und eine ebenso rare Bohlenstube aufweist. Es soll von der Kommune erworben und zu einem kleinen Museum und Vereinshaus ausgebaut werden.

Wie Schriftleiter Prof. Georg Seiderer (aus Gunzenhausen stammend) bekanntgab, wird der Verein ein wissenschaftliches Werk zur „Belehnung des Burggrafgen Friedrich IV. mit der Mark Brandenburg 1417“ herausbringen, ferner  plant er die Veröffentlichung eines Beitrags von Hans Himsolt über das Zinngießerhandwerk in Gunzenhausen.  Schatzmeister Johannes Seyerlein hofft, beide Neuerscheinungen finanzieren zu können. Nach dem Willen der Mitglieder wird die Jahrestagung 2019 in Spalt stattfinden.

Die Exkursion führte die Mitglieder am zweiten Tag zur Feste Lichtenau, die heute Außenstelle des Staatsarchivs Nürnberg ist. Die zwei Mitarbeiter pflegen einen Aktenbestand, dessen Blätter aneinandergereiht  einen Umfang von 15 Kilometer ergeben. Das Schloss der Freiherren von Eyb in Neuendettelsau und das Schloss von Mechthild und Andreas von Le Suire in Muhr am See waren die weiteren Stationen.