Startete mit viel Schwung und tollen Akteuren in die Sommersaison 2018: Hilke Bultmanns „Und es war Sommer“ am Landestheater Dinkelsbühl. Foto: © Hans von Draminski

DINKELSBÜHL (an) – Wenn Intendant Peter Cahn vom Landestheater Dinkelsbühl zum Premierenabend von „Es war Sommer“ aus der Feder von Hilke Bultmann einlädt, dann lässt sogar der Wettergott mit sich reden. Während am gestrigen Dienstagabend in der Region einige recht heftige Gewitterschauer für gefüllte Regentonnen sorgten, machte die Schlechtwetterfront einen großen Bogen um das Freilichttheater am Wehrgang. Einige der geladenen Premierengäste erhielten zwar bei der Anreise eine kräftige Wäsche für das Auto aus den geöffneten Himmelsschleusen, die gut zweieinhalbstündige Premiere mit anschließendem Empfang im historischen Künßberggarten blieb aber erfreulicherweise trocken.

 

Der Dinkelsbühler Drehorgelspieler Wolfgang Müller spielte die Ehrengäste des Premierenabends „rein“. Foto: © Michael Alban, FO

Das war auch gut so, denn angesichts der ausverkauften Premiere wäre ein Zusammenrutschen von den äußeren, regengefährdeten Plätzen auch gar nicht möglich gewesen. So konnten die neun Schauspieler/Sänger der Schlagerrevue dann auch nach Herzenslust ihr Bühnenspektakel durchziehen. Das von Intendant Peter Cahn inszenierte Stück über die 1970er Jahre ist dabei so etwas wie die Fortsetzung des 60-er Jahre Erfolgsstückes „Petticoat und Minirock“, mit dem das Landestheater im vergangenen Jahr zahllose Zuschauer begeisterte. Das dies wohl auch heuer so sein wird, dafür spricht jedenfalls die tolle Premierenaufführung. Sichtbar spielbegeisterte Darsteller mit furiosen Gesangs- und Tanzeinlagen auf der Bühne, eine ebenso mitreißende vierköpfige Live-Band (Dr. Konstantinos Kalogeropoulos, Christoph Kilgenstein, Roland Bergdoldt und Harry Hirschmann) im – dankbarerweise stets sichtbaren Hintergrund – da kann die Saison 2018 getrost kommen.

 

Im Künßberggarten trafen sich die Premierengäste – unter anderem Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer und stellvertretender Landrat Kurt Unger – zum Plausch. Foto: © Michael Alban, FO

Das Stück selbst verwirkt geschickt mehrere Handlungsstränge miteinander. So suchen die beiden Schwestern Karin (Claudia Roth) und Biggi (Marietta Holl) in der namenlosen großen Stadt ihren Halbbruder. Sabine Kaiser (Monika Reithofer), ihr Ex-Mann Helmut (Jochen Schaible) und die Reporterin Marlene (Katharina Felling) suchen die große Liebe – ebenso, wie Umfrageexperte Andi (Maik Eckhardt) und Kulturamtsreferent Lothar Schmidt ( Marco Wiskandt) – und Stadtpark-„Guru“ Gustav-Rudolph (Andreas Gräbe) sucht sich selbst. Derweil fegt der griechische Gastarbeiter Kostas (Andreas Peteratzinger) die Bühne  und brilliert schlußendlich als kunstfertiger Bildhauer. Während Schauspieler und Band mit deutschen und englischen  70er-Jahre-Hits wie Juliane Werdings „Wenn du denkst“, Udo Jürgens „Griechischer Wein“, „Stayin´Alive“ von den BeeGees, und natürlich Peter Maffays „Und es war Sommer“ das Publikum zum Mitklatschen einluden, sorgte die zeitgenössische Ausstattung mit viel Satin, Rüschenhemden und Schlaghosen für das passende Ambiente.

 

Gastarbeiter Kostas (Andreas Peteratzinger) und Hündchen „Rasputin“ waren die heimlichen Helden und Publikumslieblinge des Stückes. Foto: © Hans von Draminski

Und wer im Publikum alt als genug ist, um die 70er Jahre selbst erlebt zu haben, der findet auch in den Texten allerlei Anlehnungen etwa an Jugend- oder Werbesprüche aus der Zeit. Ebenfalls zum Zeitkolorit passen Themen wie Frauenrechte und Schwulenemanzipation, Umweltschutzaktivisten und RAF-Terror, WGs in der Altbauwohnung, Sektenwahn und „offene Zweierbeziehungen“, die im Stück ansatzweise angeschnitten werden. Da wundert es letztlich niemanden, dass das zum Abschluss enthüllte Denkmal mit Hündchen Rasputin dem „Ich“ huldigt – immerhin war die Selbstverwirklichung in allen Facetten eines der Kennzeichen dieses schillernden Jahrzehntes. Bleibt nur abzuwarten, ob und wie die nicht ganz so glamourösen 80er Jahre mit ihren Schulterpolstern und Pastelltönen Eingang in das Theaterprogramm am Wehrgang finden. Das gekonnte Revival der 70er Jahre war dem Premierenpublikum jedenfalls stehende Ovationen und zwei Zugaben wert. An dem Erfolg haben neben Intendant Peter Cahn, den Schauspielern und Musikern auch Andreas Harwath, Katharina Felling, Jürgen Zinner, Ursula Blüml, Sebastian Engmann und Sonja Gold hinter der Bühne mitgewirkt.

 

Von Dinkelsbühls OB Dr. Christoph Hammer hab es zum Abschluss Blumen für die Darsteller … Foto: © Michael Alban, FO

 

… diese gab das Ensemble sogleich an das begeisterte Premierenpublikum weiter! Foto: © Michael Alban, FO

Die vielen Stammgäste der Freilichtbühne haben der diesjährigen Schlagerrevue übrigens auch schon einige Vorschusslorbeeren gezollt – die Juni-Vorstellungen sind laut Intendant Peter Cahn komplett ausverkauft. Die Theaterleitung hat umgehend reagiert und einige zusätzliche Termine ins Programm aufgenommen – zu Lasten einiger Vorstellungen von Lothar-Günther Buchheims „Das Boot“ beziehungsweise David Siedlers „The King´s Speech“. Das aktuelle Spielprogramm kann auf der Internetseite www.landestheater-dinkelsbuehl.de nachgelesen werden.