Seit dem 16. April gibt es in Ansbach für Stadt und Landkreis eine Anlaufstelle für „Ergänzende unabhängige Teilhaberberatung“. Grafik: © Bundesministerium für Arbeit und Soziales

ANSBACH (an) – Die Lebenshilfe Ansbach e.V. hat den Zuschlag für eine Beratungsstelle für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB) gemäß dem Bundesteilhabegesetz erhalten. Seit einigen Tagen hat diese Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige in der Ansbacher Karlstraße 7 ihre Türen geöffnet. Bei einem Pressegespräch berichteten jetzt die Verantwortlichen über das Projekt.

 

Laut Bundesteilhabegesetz müssen bundesweit in allen Kreisen und kreisfreien Städten Beratungsstellen für die EUTB geschaffen werden. Sie haben die Aufgabe, Menschen mit Behinderung über die Bandbreite aller Teilhabeleistungen zu informieren. Dazu gehören beispielsweise Assistenzangebote für den Alltag, Reha- Maßnahmen und Hilfsmittel, Arbeitsplätze in Werkstätten oder spezielle Wohnangebote. Darüber hinaus sollen die Ratsuchenden dabei unterstützt werden, den richtigen Leistungsträger, z.B. Sozialhilfe, Eingliederungshilfe oder Rentenversicherungen, zu finden. Angesprochen sind auch Menschen mit drohenden Behinderungen sowie Angehörige.

Lebenshilfevorsitzender Kurt Unger (li) und Sachgebietsleiter Michael Breuker informierten jetzt bei einem Pressegespräch über das neue Angebot der Lebenshilfe Ansbach e.V.. Foto: © Michael Alban, FO

Die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ erfolgt dabei unabhängig und durch speziell aus- und fortgebildete Fachkräfte. Für ein niedrigschwelliges Angebot wird nach dem Prinzip so genannten „Peer-to-Peer“ beraten. Das heißt, Betroffene werden von Betroffenen beraten. Diese kennen sich meist aus eigener Erfahrung im Hilfesystem aus und können sich daher sehr gut in die Lebenssituation und Anliegen der Ratsuchenden hineindenken. So gehört zum Team in Ansbach auch Karin Müller, eine ausgebildete Psychologin, die selbst blind ist. Schwerpunkt ist die Beratung, eine Begleitung etwa in Klage- oder Widerspruchsfällen werde es aber nicht geben.

Für den Vorsitzenden der Ansbacher Lebenshilfe e.V., Kurt Unger war es für die Lebenshilfe wichtig, im Rahmen des Bewerbungsverfahrens eine Anlaufstelle bieten zu können, die für die Betroffenen leicht zu erreichen sei. Dies sei in den Räumen in der Karlstraße 7 gegeben. Neben der Nähe zur Ansbacher Innenstadt gäbe es auch ausreichende Parkplätze am Karlsplatz, zudem seien die bereits vorhandenen Räumlichkeiten der Lebenshilfe – mit weiteren Beratungsangeboten –  dort barrierefrei. Man sei letztlich sehr froh, den Zuschlag für eine von insgesamt rund 400 Beratungsstellen bundesweit erhalten zu haben. Die Lebenshilfe Ansbach e.V. trete dabei als Dienstleistungsanbieter aus, finanziert werde das für die Hilfesuchenden kostenfreie Angebot vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Das Beratungsangebot sei zunächst bis zum Jahresende 2022 befristet, es bestehe aber die Möglichkeit einer Verlängerung.

Für die Unabhängigkeit der Beratung sei es wichtig gewesen, so der zuständige Sachgebietsleiter der Lebenshilfe Ansbach e.V., Michael Breuker, dass die EUTB-Beratungsstelle über eine Neutralitätserklärung von der Lebenshilfe formell getrennt sei. Auch seien die Räumlichkeiten von denen der bereits vorhandenen Beratungsstelle abgetrennt. Schließlich seien auch nur die beiden Mitarbeiterinnen Tanja Meyer und Karin Müller für die EUTB-Beratungsstelle tätig. Aufgrund ihrer Qualifikation können sich sich auch nur gegenseitig – etwa im Urlaubs- oder Krankheitsfalle vertreten. Eine Vertretung durch andere Mitarbeiter der Lebenshilfe sei nicht zulässig. Hier sei künftig eine Kooperation mit anderen Beratungsstellen – die nächstgelegene eines anderen Betreibers sei in Wassertrüdingen – angedacht.

Tanja Meyer (li) und Karin Müller (re) beraten seit Kurzem Menschen mit Behinderung und deren Angehörige gemäß der „ergänzenden unabhängigen Teilhabe“. Foto: © Michael Alban, FO

Dies sei insofern möglich, da die Beratung nicht nur im Rahmen eines persönlichen Besuchs in der Beratungsstelle erfolgen könne, sondern auch per eMail, Telefon oder Skype, so Marin Müller vom Beratungsteam. Auch sei langfristig geplant, ein Netzwerk von Ehrenamtlichen ins Leben zu rufen, die zu der fachlichen Beratung der Beratungsstelle auch ergänzende, aus ihren persönlichen Erfahrungen begründete Empfehlungen abgegeben können. Denn sie als Blinde könne sich zwar allgemein in Probleme etwa der Diskriminierung einfühlen, verfüge aber naturgemäß nicht über die Erfahrungen etwa eines Rollstuhlfahrers. Hier könnten sich an einer ehrenamtlichen Mitarbeit Interessierte auch gerne bei der Beratungsstelle melden, hieß es.

Die Beratung ist kostenlos und erfolgt unabhängig vom Träger, in diesem Fall der Lebenshilfe Ansbach. Die EUTB-Beratungsräume befinden sich im TREFFPUNKT Lebenshilfe in der Karlstraße 7 in Ansbach (0981-977 758 50). Die Beratungszeiten sind Montag und Donnerstag 13.00 – 19.00 Uhr, Dienstag und Mittwoch 13.00 – 17.00 Uhr und Freitag von 11.00 – 15.00 Uhr.

Die EUTB-Beratungsstelle der Lebenshilfe Ansbach e.V. für Stadt und Landkreis Ansbach befindet sich ein den Räumen Karlstraße 7 unweit der Ansbacher Innenstadt. Foto: © Michael Alban, FO