In Gunzenhausen gibt es seit Kurzem so genannte „Mitfahrerbänke“ auf denen Fußgänger auf einen kostenlosen Transport in den nächsten Ort warten können. Foto: © Michael Alban, FO

GUNZENHAUSEN (an) – Aus der heutigen Gesellschaft ist der Individualverkehr mit dem Pkw nicht mehr wegzudenken. Doch oft sitzt nur der Fahrer im Fahrzeug, die weiteren Sitzplätze sind ungenutzt. Hier wollen die Stadt Gunzenhausen und deren Seniorenbeirat entgegensteuern. Seit einigen Wochen stehen insgesamt acht „Mitfahrerbänke“ im Stadtgebiet. Dort können Fußgänger auf vorbestimmten Routen auf einen netten Mitmenschen warten, der sie mit dem Auto in den nächsten Ort mitnimmt. Bei einem Pressegespräch wurde das Projekt jetzt vorgestellt.

Die Idee sei im Seniorenbeirat erstmals im Frühjahr 2017 diskutiert worden, so Werner Seifert. Man habe sich dabei an dem Beispiel aus der Eifel „Netzwerk Mobilität in der Verbandsgemeinde Speicher“ orientiert. Angesichts der mitunter nur sehr „sporadischen“ Busverbindungen in manche Stadtteile sei man zu der Überzeugung gekommen, dass dieses Modell auch für Gunzenhausen interessant wäre. Neben Senioren seien auch Jugendliche und wirtschaftlich schwächere Menschen oftmals ohne eigenes Auto in den Stadtteilen und Landgemeinden in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Dies solle nun – zumindest auf den jetzt in Betrieb gegangenen Routen – anders werden.

 

Werner Seifert (2. von rechts) vom Seniorenbeirat der Stadt Gunzenhausen beleuchtete bei dem Pressegespräch die Idee hinter der „Mitfahrerbank“. Anita Ermer (rechts) aus Unterwurmbach hat diese schon mehrfach erfolgreich genutzt. Foto: © Michael Alban, FO

Der Seniorenbeirat habe in Zusammenarbeit mit Stadtbauamt und Bauhof acht Standorte in Gunzenhausen, Unterwurmbach, Cronheim, Schlungenhof, Laubenzedel und Büchelberg festgelegt, an denen künftig die „Mitfahrerbänke“ stehen. Auch um die Finanzierung durch Spenden (insgesamt wurden laut Stadtbaumeistern Simone Teufel rund 5.500 Euro für Bänke und Schilder benötigt) kümmerte sich der Seniorenbeirat selbstständig. Den Aufbau der Bänke übernahm der Bauhof. Wer sich künftig auf einer der – meist neben einer Parkbucht für Autos stehenden – Bank niederlässt kann nun darauf hoff, dass ein netter Zeitgenosse anhält. Das Mitfahren und auch das Mitnehmen ist hier jedoch komplett freiwillig, betonten die Initiatoren des Projektes, auch gäbe es keinen Fahrplan oder andere Verpflichtungen.

Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz ist überzeugt, dass das Projekt Zukunft haben wird. Seitens der Stadt sei man seit Langem bereits aktiv, um das Radfahren oder den ÖPNV noch attraktiver zu machen, um den Individualverkehr zu verringern. Wenn dieser wie hier aber dazu genutzt werde, um Mitmenschen ohne Auto eine Transportgelegenheit zu geben, sei das eine sehr positive und willkommene Ergänzung zu den Bemühungen der Stadt. Sein Dank galt dann auch den Initiatoren vom Seniorenbeirat sowie den Sponsoren und den beteiligten Mitarbeitern der Verwaltung. Gerne könne man das Projekt bei entsprechender Nachfrage auch auf weitere Standorte ausweiten, so der Rathauschef.

Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz überzeugte sich zusammen mit Stadtbaumeisterin Simone Teufel von der Funktionstüchtigkeit der umklappbaren Anzeigetafeln. Foto: © Michael Alban, FO