Wie geht es weiter mit der geplanten Erweiterung eines Herrieder Betriebes am östlichen Stadtrand? Hierzu gab es jetzt eine Infoveranstaltung. Foto: Michael Alban, FO

HERRIEDEN (an) – Seit Monaten schwelt in der Stadt Herrieden der Streit zwischen den Befürwortern und den Kritikern einer Erweiterung eines ortsansässigen Betriebes. Jetzt hatte die Stadt zu einem Indoabend für die Bürger eingeladen. Dabei wurden vom einem Fachplaner die möglichen Planungsalternativen vorgestellt. Eine Entscheidung über die mit einer Änderung des Flächennutzungsplans verbundene Erweiterung durch das Unternehmen und die Stadt werde in den kommenden Wochen erwartet, hieß es dabei.

In Vertretung des erkrankten ersten Bürgermeisters Alfons Brandl leitete der dritte Bürgermeister Robert Goth die Veranstaltung. Nachdem sich in den vergangenen Wochen und Monaten Widerstand gegen die ursprünglichen Planungen für das Vorhaben in der Bürgerschaft formiert habe – unter anderem wurde die Bürgerinitiative „Heimat Herrieden“ gegründet – sei von der Firma Küchen Schüller ein externer Fachplaner beauftragt worden, mögliche Alternativen zu prüfen. Klaus Wolff, Geschäftsführer und Firmengründer der Wolff Gruppe Holding GmbH aus Stuttgart erläuterte der Versammlung zunächst die „Firmenphilosophie“ des Herrieder Küchenherstellers.

Dritter Bürgermeister Robert Goth konnte zahlreiche Bürger zu der Infoveranstaltung in der Aula der Grund- und Mittelschule begrüssen. Foto: Michael Alban, FO

Dieser bemühe sich, im Gegensatz zur Konkurrenz, möglichst alle Produktionsabläufe im eigenen Haus auszuführen. Es würden fast keine Produkte zugekauft. Diese Geschäftsphilosophie bedinge aber bestimmte Arbeitsabläufe und bauliche Voraussetzungen. Die Erweiterung selbst sei im bundesweiten Wettbewerb zur „Absicherung der Marktposition“ nötig, betonte der Planer. Für die Erweiterung seien auf alle Fälle Bebauungen von 80.000 bis 110.000 Quadratmetern Fläche nötig. Diese Bausubstanz könne man nicht verstecken, gab der Fachmann unumwunden zu. Neben der Produktion müsse man auch Lagerkapazitäten und die Logistik berücksichtigen.

Drei Planungsvarianten im Vergleich: die grün gekennzeichnete Variante hätte die Verlegung der Rother Straße zur Folge. Foto: Michael Alban, FO

Die drei an dem Abend vorgestellten Varianten seien auch in Gesprächen mit der Bürgerinitiative entstanden, so Klaus Wolff. Man habe versucht, deren formulierte Einwände zu berücksichtigen. Die erste Planungsvariante sei die mit dem größten Flächenverbrauch, zugleich die wirtschaftlich und zeitlich am günstigsten umzusetzende. Sie umfasse eine langerstreckte Bebauung entlang der Staatsstraße nach Rauenzell. Variante 2 beinhalte den Bau eines Parkhauses in der Nähe des Rother Kreisverkehrs sowie einen kompakteren Baukörper.

Variante 3 – mit einer Untervariante – sei neben dem Bau eines Parkhauses vor allem durch eine Stilllegung der alten Rother Straße mittels Überbauung des Klingengrabens gekennzeichnet. Dadurch sei es möglich, näher an den bisherigen Gebäudebestand heranzuplanen und damit den geringsten Flächenverbrauch von rund 80.000 Quadratmetern zu generieren. Eine neue Straße solle weiter im Osten gebaut und mittels eines Kreisverkehrs an die Staatsstraße nach Rauenzell angebunden werden.

Laut Planer Klaus Wolff sei eine Optimierung über die vorgestellten Varianten hinaus aus fachlichen Gründen nicht mehr möglich. Foto: Michael Alban, FO

Eine über die drei Variante hinausgehende Optimierung der Planungen sei nach eingehender Prüfung sowohl aus fachlicher Sicht als auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen definitiv nicht möglich, so Wolff. In allen Fällen sei die Erweiterung das Ende der möglichen Bebauung am bisherigen Standort, bekräftigte der Planer. Es sei durchaus seitens der Geschäftsführung geplant, ein solches Ausbauende vertraglich zu fixieren. Auch sei das ganze Bauvorhaben eine mittelfristige Entwicklung für die Jahre bis etwa 2030. Für die Nutzung der nicht für die Erweiterung benötigten Freiflächen solle es eine Bürgerbeteiligung mit Workshops geben.

Aus der Bürgerschaft kamen im Anschluss Fragen unter anderem zu den Gebäudehöhen. Diese würden sich am Bestand orientieren, mit 20-22 Metern Höhe bei den Fertigungsgebäuden, 29 Metern beim Hochregallager sowie 16-18 Metern beim Parkhaus. Das entgegen zu bisherigen Aussagen der Stadt nun doch eine Verlegung der Rother Straße möglich sei, erklärte dritter Bürgermeister Robert Goth damit, dass man gut 15 Jahre nach deren erster Verlegung den Bürgern nicht schon wieder eine Verlegung zumuten habe wollen. Zudem sei diese Variante nur mit erheblichen Mehrkosten im Millionenbereich durch die Überbauung des Klingelgrabens möglich.

Lob für die „positive Entwicklung“ der Planungen gab es vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Josef Göppel, der die Bürgerinitiative „Heimat Herrieden“ unterstützt. Foto: Michael Alban, FO

In den Wortmeldungen wurde teils auch offen das Mißtrauen von Teilen der Bürgerschaft deutlich. Hier warb der Fachmann um Vertrauen als Basis für die weitere Entwicklung, mit gegenseitigem Mißtrauen komme man nicht weiter. Ähnlich äußerte sich auch der wohl prominenteste Unterstützer der Bürgerinitiative, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Josef Göppel. Der erste Entwurf des Flächennutzungsplans sei schlichtweg „unannehmbar“ gewesen. Hier habe es nach Beauftragung des Fachbüros eine „positive Entwicklung“ gegeben. Generell habe niemand in der Bürgerinitiative etwas gegen die Betriebserweiterung, es müssten dabei nur auch Belange der Bürgerschaft – etwa nach Erhalt des Naherholungsgebietes an der Altmühl – berücksichtigt werden. Auch sei dieser Bereich für die Grundwasserbildung von Bedeutung, weshalb eine geringere Versieglung angestrebt werden müsse.

Welche Variante nun weiter verfolgt werden soll, wurde in der Veranstaltung nicht klar. Während wirtschaftliche und zeitliche Gründe für die erste Variante sprächen, sei die Firma Küchen Schüler sicher auch den Alternativen nicht abgeneigt, so Klaus Wolff. Gerade auch die Verbundenheit des ortsansässigen Betriebes zur Region mache aber wohl auch die mit den anderen Varianten verbundenen Mehrkosten für das Unternehmen tragbar. Eine Entscheidung solle aber in den kommenden Wochen von der Geschäftsführung gefällt werden. Generell müsse man sich aber bei allen Planungen darüber im Klaren sein, dass er nicht versprechen könne, das am Ende alle glücklich werden. Manche Forderung der Bürgerinitiative könne – etwa die Freihaltung einer Sichtachse vom Radweg von Rauenzell aus – aus technischen Gründen nicht erfüllt werden.

In der Versammlung wurde auch die Frage der Hochwassersituation vor Ort angesprochen, sowie die Entwicklung des Lieferverkehrs. Zum Thema Hochwasser hieß es, dass dies im Rahmen der fortschreitenden Planungen von Experten betrachtet werde. Die Firma Schüler werde sicher das im Rahmen ihrer Möglichkeiten nötige tun, um die Situation zu verbessern. Die Frage der Verkehrsentwicklung solle im Zuge eines Verkehrsentwicklungskonzeptes angegangen werden, so der dritte Bürgermeister. Dieser wies aber auch auf alte Planungen der Stadt für eine Ortsumgehung hin, um dieses Problem zu beheben. Diese sei aber seinerzeit von der Bevölkerung abgelehnt worden.