Grafik und Foto: © Michael Vogel

 

Neues Sportzentrum für Ansbach!?

 

Julian Weiß, im Weltmeisterjahrgang 1990 geboren, hat eine Vision: ein Sportvereinszentrum für Ansbach. Mutig – gewagt – klasse – absolut notwendig – unrealistisch – nicht zu finanzieren … die Reaktionen auf diesen Vorschlag sind vielfältig.

Was treibt diesen jungen Mann zu dieser Idee? Fränx hat sich mit dem sympathischen Visionär zum Interview getroffen.

fränx: Wie entstand diese Idee?
JW: Als ich als 5jähriger nach Ansbach kam habe ich bereits mit dem Fussballspielen begonnen. Damals schon beim TSV Fichte – meinem Verein, dem ich auch heute noch die Treue halte. Als Spieler und Jugendtrainer habe ich mich schon immer wahnsinnig gefreut, wenn wir ein gutes Training bzw. ein gutes Spiel gemacht haben und alle glücklich und zufrieden vom Platz gegangen sind. Meine Leidenschaft für diesen Sport setzte ich theoretisch fort und studierte BWL mit dem Schwerpunkt Sportmanagement an der Hochschule Heilbronn in Künzelsau. Im Rahmen dieses Studiums beschäftigten wir uns in einem Seminar mit dem Thema „Sportvereinszentrum“, eine Einrichtung, die in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten sehr erfolgreich an 40 – 50 Standorten läuft.

Das war für mich die Initialzündung: kann man das auch in Ansbach umsetzen? Um das Ganze auch fundierter zu beleuchten, erstellte ich 2015 als Bachelor-Thesis die Machbarkeitsstudie für den Standort Ansbach.

fränx: Was ist neu an diesem Konzept?
JW: Diese Sportzentrum setzt sich aus mehreren Modulen zusammen: neben den Fussballplätzen samt Kabinen und weiteren Sportanlagen, z.B. für Tennis, umfasst es noch ein Gesundheits/Fitnessstudio mit Gerät-/Cardio- und Wellnessbereich, Physiotherapie, Bewegungsparcours/-landschaft, Gastronomie und weitere Vereinsräume. Es biete auch Platz und Kursräume für sportnahe, externe Kooperationspartner. Es ist eigentlich nichts weltbewegend Neues, aber in der Konzentration an einem Ort und in der Kombination von aktiven und passiven Elementen bietet es jedem Vereinsmitglied die Möglichkeit, nach seiner aktiven Zeit, z.B. als Fussballspieler auch weiterhin die Angebote des Vereins zu nutzen im Gesundheitsstudio oder bei diversen Kursen. Da die Deutschen ja – im positiven Sinne – „Vereinsmeier“ sind, würde die Treue der Mitglieder zu ihrem Verein belohnt werden.

fränx: Warum möchten Sie dieses Konzept mit dem TSV Fichte umsetzen?
JW: Wie gesagt, ich bin ein überzeugter ‚Fichtler‘. Dieser Verein ist für mich im wahrsten Sinne ein Verein für Ansbacher Bürger im Herzen der Stadt. Wir leben seit Jahrzehnten die Gemeinschaft und Integration verschiedenster Nationalitäten und legen großen Wert auf Nachwuchsförderung und Sport mit Spaß! Leistungsorientierung spielt bei uns eine nachrangige Rolle. Wir haben eine erfreuliche Mitgliederentwicklung und stehen mit ca. 564 Mitgliedern und insgesamt 18 Jugendmannschaften im Fußball und Handball sehr gut da! Wir platzen ‚aus allen Nähten‘ und müssen uns überlegen, wie wir den Verein für die nächsten Jahre weiterentwickeln können.

fränx: Welche Vorteile bietet der Standort am Onolzbach?
JW: Wir sind uns dessen bewusst, dass wir in der Türkenstraße keine Expansionsmöglichkeiten haben und unser Konzept komplett überdenken müssten. Außerdem kann man sich für diesen integrierten Standort eine weitaus effektivere Nutzung für die Stadtgemeinschaft vorstellen. Das Gelände der ehemaligen Tennishallen am Onolzbach wäre für uns optimal: es ist vor allem für unsere jüngeren Mitglieder sehr gut mit Bus und Fahrrad zu erreichen, die älteren hätten angrenzende Parkmöglichkeiten. Wir könnten dort ein Gebäude mit einer gewünschten Größe von ca. 1.600 m² auf zwei Ebenen sowie zwei Fussballspielfelder, eine Sandfläche und einen Bewegungsparcours unterbringen. Der Eingriff ins Gelände ist nicht so massiv wie bei einem neu zu schaffenden Wohngebiet. Denkbar ist auch ein Ausbau in zwei Schritten, zuerst die Umsiedlung des Vereins und Etablierung des Standorts und anschließend die Ergänzung durch das Gesundheitsstudio sowie weitere Module.

fränx: Nun regt sich ja von mehreren Seiten Widerstand …
JW: Ja, leider. Wir wissen, dass wir als TSV Fichte nicht DIE große Lobby in der Stadtgemeinschaft haben, da tun sich andere Vereine leichter. Dennoch sehen wir für die gesamte Stadt viele Vorteile in diesem Projekt. Wir haben von Beginn an – und das sind jetzt mittlerweile schon 3 Jahre – viele Gespräche geführt: mit der Stadtverwaltung, mit den politischen Vertretern, mit dem Stadtverband für Sport, mit Vorständen anderer Vereine, mit potentiellen Kooperationspartnern, mit dem BLSV, mit Banken, mit jedem, der sich für unser Projekt interessiert hat. Und wir werden auch weiterhin das Gespräch suchen und für unsere Idee werben, denn sie ist eine große Chance für unsere Stadt!

fränx: Was wünschen Sie sich ?
JW: dass wir uns offen und kritisch mit der Sache auseinandersetzen und die Argumente und Menschen finden, die das Projekt realisieren und nicht verhindern möchten. Ich fände es auch toll, wenn sich ein Architekt finden ließe, der unsere Idee visualisieren könnte, denn Bilder beeindrucken immer mehr, als Worte – ich kann das leider nicht. Ich wünsche mir, dass wir für Ansbach und für die vielen jungen Sportler, eine mutige Entscheidung treffen und tatsächlich unser Motto: „Sport mit Spass im Herzen der Stadt“ realisieren können.

Wir danken für das Gespräch und drücken alle Daumen! Beim Spatenstich würden wir selbstverständlich dabei sein!!!

Julian Weiß beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der Idee, ein Sportzentrum für Ansbach am Platz der ehemaligen Tennishallen aufzubauen. Sein Motto: „Sport mit Spass im Herzen der Stadt“. Foto: © Michael Vogel