Der Leiter der Tourist-Information Günter Schürlein gab sich sichtlich zufrieden mit dem Verlauf der Kinderzeche in Dinkelsbühl. Er schätzte, dass sich in der Woche etwa 60.000 Besucher in den Stadtmauern zum Schauen, Essen und Feiern eingefunden haben. Der heitere Verlauf des traditionellen Bürgerfestes sorgte für gute Stimmung bis in das Rathaus. Das Fest trägt seit vielen Jahren zur Bekanntheit Dinkelsbühls bei und sorgt für viel Sympathie in allen Teilen der Welt, was Günter Schürlein wichtig ist.

Hans-Peter Mattausch, die Dinkelsbühler Institution für das inzwischen weltweit bekannte historische Spiel, betonte: „es ist immer gut, wenn es reibungslos läuft und den vielen Akteuren mit Pferden und Waffen nichts nennenswertes passiert“. Immerhin sind über 1.200 Personen, Erwachsene und Kinder aus Dinkelsbühl direkt am Bürgerfest in der einen oder anderen Funktion beteiligt.

Mattausch erläutert, dass sich die Kinderzeche bereits bis in die Jahre um 1600 urkundlich belegen lässt. In Dinkelsbühl wurde ein Schriftstück aus dieser Zeit gefunden, das beschreibt, dass der Knecht des damaligen Schulmeisters beim Heimweg von der Kinderzech im Dorfweiher ersoffen ist. Er erwähnt auch, dass Dinkelsbühl ursprünglich keine fränkische, sondern eine schwäbische Stadt war und damals zum Schwäbischen Städtebund gehörte.

In verschiedenen Reichskreis-Städten wurden Lateinschulen gegründet. Aus dem Schulfest zum Ende des Schuljahres hat sich in Dinkelsbühl die Kinder-Zech entwickelt. Alle Schüler in der Stadt haben in der dritten Juliwoche am Montag und Dienstag frei und treffen sich zu einem Umzug durch ihre Stadt um das Schuljahresende zu feiern.

Zu diesem Umzug kam laut Mattausch das „sagen-hafte“ historische Festspiel hinzu. Sage deswegen, weil es eine erfundene Geschichte ist. Der Münchener Hofrat Ludwig Stark schrieb im Auftrag Dinkelsbühls die Stadtübergabe an die Schweden als Historienspiel und es passte die Fabel, dass ein Kindermädchen, die Kinderlore, mit einer Gruppe von Kindern die Stadt vor Plünderung und Brandschatzung rettete, gut dazu.

Es wurde erstmals am 12. Juli 1897 mit großem Erfolg unter Beteiligung der Bürger Dinkelsbühls aufgeführt und wird seitdem jährlich neu gespielt. Laut Mattausch sind die Darsteller alle Schauspiel-Laien und gerade dies trägt zur Authentizität des Bürgerfestes bei. Ebenso ist darauf geachtet, dass der ursprüngliche Text und die Sprache beibehalten wird. „Das ist etwas anstrengend, aber diese Stunde  kann man einmal in seinem Leben aufbringen, um zu hören, wie damals gesprochen wurde“, wie Mattausch überzeugt ist.

Inzwischen ist das Spiel, das Lagerleben und die Kinderzeche mit den Bürgern der Stadt eng verwurzelt. Aus ihren Familien stammen die Darsteller des Schwedenlagers, der Stadtsoldaten und die Dinkelsbühler Knabenkapelle. Das erstreckt sich vom Kindergarten über die Schulen bis zum Berufsleben. Im Dezember 2014 wurde die Kinderzeche in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes des Freistaates Bayern und seit Dezember 2016 in das immaterielle Kulturerbe der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.

Hans-Peter Mattausch, Präsident der Arbeitsgemeinschaft historischer Kinder- und Heimatfeste Süddeutschlands, berichtet auch über den enormen Aufwand, der in Dinkelsbühl von vielen Personen ehrenamtlich erbracht wird, ohne die das nicht zu stemmen wäre. Er veranschlagt er die Jahreskosten mit ca. 50.000 Euro, die auch zur Entlohnung von drei Schneiderinnen und einer Verwaltungskraft benötigt werden. Finanziert wird das alles über Eintrittsgelder, Festabzeichen und Spenden aus der Bevölkerung.

Nach dem Ende der Festspielwoche werden Kleidung, Waffen und sonstige Ausrüstungsgegenstände im „Kinderzech-Zeughaus“ aufbewahrt. Es ist seit 2009 ein „begehbares Magazin“ ein Museum von hohem pädagogischen Wert, das zum Besuch einlädt und befindet sich in der alten Kornscheune, Bauhofstraße 43. Es wurde mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Freistaates Bayern, Region Hesselberg, der Stadt Dinkelsbühl eingerichtet.