Bild: Links Natascha Wodin und rechts Sonderpreisträger Thomas Medicus

 

Natascha Wodin wird mit dem August Graf von Platen Literaturpreis 2017 ausgezeichnet und der Sonderpreis geht an Thomas Medicus.

Der Literaturpreis wird alle zwei Jahre zu Ehren des in Ansbach geborenen Dichters August Graf von Platen (1796-1835) von der Stadt Ansbach, dem Kulturverein Speckdrumm, der Hilterhaus-Stiftung, dem Lions-Club Ansbach und der VR-Bank Mittelfranken West eG vergeben. Die Jury – bestehend aus je einem Teilnehmer der Sponsoren, der Stadt Ansbach, des Kulturvereins Speckdrumm, je einem Vertreter der überregionalen Presse, der Universität Erlangen, des Bayerischen Rundfunks und dem vorherigen Preisträger – wählt aus den zehn LeseLust Autoren der letzten zwei Jahre den Preisträger aus.

Das aus der Feder von der in Fürth geborene Autorin Natascha Wodin stammende „Sie kam aus Mariupol“ ist ein faszinierendes, glänzend recherchiertes Buch über das Schicksal einer ukrainischen Zwangsarbeiterin, das in der deutschsprachigen Literatur gefehlt hat. Halb Roman, halb Dokumentation macht Wodin die Wirkungen von Geschichte und totalitären Diktaturen am Schicksal ihrer Mutter deutlich. Niemals anklagend, aber immer eindringlich und einfühlsam. Wodin ist eine bedeutende Autorin, die schon mehrere hervorragende, häufig autobiographisch konnotierte Bücher geschrieben hat. Das Spektrum ihrer sowohl inhaltlich als auch sprachlich beeindruckenden Romane reicht von ihrem Erstling „Die gläserne Stadt“, der das Fremdsein thematisiert, über „Nachtgeschwister“, in dem ihre problematische Ehe mit dem Büchner-Preisträger Wolfgang Hilbig erzählt wird, bis zu „Alter, fremdes Land“ über das Thema Lust und Einsamkeit im Alter.

Der zweite Platen-Preis, der diesmal kein Förder-, sondern ein Sonderpreis ist, geht an den Autor und Journalist Thomas Medicus, in Anerkennung seines 2014 erschienenen und viel beachteten Buches „Heimat. Eine Suche“. Der Text, eine grandiose Mischung aus Reportage, Essay und biographischem Bekenntnis, betreibt eine Heimatkunde ganz eigener Art, indem er am Beispiel des fränkischen Gunzenhausen, dem Herkunftsort des Autors, verschwiegene Verstrickungen in den nationalsozialistischen Judenmord aufdeckt und mit der sensiblen Archäologie einer Familiengeschichte verbindet. Verdrängte Geschichte wird so auf beklemmende Weise wieder lebendig, mit dem kathartischen Effekt eines wiedergewonnenen Heimatbezuges, jenseits aller Sentimentalität und beschönigender Verklärung.

Die Preisverleihung findet am 6. November 2017 statt.