Hermann Dallhammer 2015; Foto: © Michael Vogel

Kulturpreisträger der Stadt Ansbach verstorben

Hermann Dallhammer wurde 1925 in Ansbach als Sohn eines Messungsgehilfen und einer Verkäuferin geboren. Er besuchte die Güllschule und danach das Gymnasium Carolinum. In seiner Gymnasialzeit wirkte der hervorragende Sprachwissenschaftler und Historiker Dr. h. c. Hermann Schreibmüller als Direktor am Carolinum. Unterricht erhielt der damals kleine Hermann von dem späteren Lehrstuhlinhaber für Bayerische Geschichte Dr. Karl Bosl und vom Kunsthistoriker und Archäologen Dr. Hans Beer.

Hermann Dallhammer erlebte den Zweiten Weltkrieg mit allen seinen Auswirkungen. Beginnend mit großen Unterrichtsdefiziten wegen Lehrermangels, Fliegeralarme, Einberufungen zum Reichsarbeitsdienst oder Militär bis hin zur Gefangenschaft. Er hat all diese Stationen durchlebt und überlebt.

Nach dem Krieg konnte er die Schule wieder aufnehmen und legte sein Abitur in Fürth ab. Anschließend studierte er in Bamberg und Erlangen Deutsch, Geschichte und Englisch. 1951 schloss er seine Studien mit dem Staatsexamen erfolgreich ab. Er hätte gerne noch promovieren wollen, aber das Leben hatte andere Pläne für ihn. 1952 wurde Hermann Dallhammer Assessor an der Oberrealschule Ansbach, dem heutigen Platengymnasium, wo er 33 Jahre wirkte, zuletzt als Seminarleiter.

Hermann Dallhammer war ein sehr engagierter Lehrer: Er motivierte viele Schülerinnen und Schüler zu ‚nebenschulischen Aktivitäten‘ in den Bereichen Hörspiel, Kabarett und Theater. Er leitete Hörspielaufnahmen, das Schulkabarett „Die Spottdrossel“ und war federführend bei verschiedenen Theateraufführungen, unter anderem Platens „Berengar“ als Uraufführung. Mit einer 10. Klasse drehte er auch einen Farbfilm zum Thema „Sucht“.

Neben seinem Beruf (oder seiner Berufung) beschäftigte sich Hermann Dallhammer intensiv mit der Lokal- und Regionalgeschichte, verfasste Publikationen im Ansbacher Dialekt und befasste sich als Literaturhistoriker mit den Ansbacher Dichtern Platen, Uz und Cronegk.

Seine erste Publikation erschien im Jahr 1954 – über 100 folgten noch. Die „Ansbacher Chronik“ (1979) oder das geschichtliche Standardwerk „Ansbach. Geschichte einer Stadt“, welches er 1993 zusammen mit Werner Bürger herausgegeben hat, sind seine Hauptwerke.

Unzählige Mundartbände folgten – denn Dialekt ist ja nicht zwingend etwas Negatives – sowie Bücher und Werke zu Wehrkirchen, Straßen und Wegen, über die Ritter von dem Schwanenorden, über näher oder weiter liegende Orte wie Herrieden, Petersaurach aber auch Anglet und das Baskenland. Meist war ein guter Freund an seiner Seite, der Ansbacher Verleger Paul Schmidt vom Hercynia Verlag.

Wegen seiner großen kulturellen Verdienste um die Heimat- und Kulturpflege in Ansbach ehrte die Stadt ihn mit der Verleihung des Kulturpreises im Jahr 1971 – Hermann Dallhammer war damals erst 46 Jahre alt! Hermann Dallhammer behauptete bei der Kulturpreisverleihung er habe einfach Glück gehabt, dahinter steht jedoch ein ganz anderes Leitmotiv, nämlich das seines Lehrers Dr. Bosl: „Das, was ich verlange, ist dreierlei: Leistung, Leistung, Leistung.“ Dass sich Dallhammer daran gehalten hat, kann man an seinem Lebenswerk erkennen, denn nur mit Fleiß und viel Arbeit ist dies zu schaffen. Er hat sich immer an sein Motto gehalten: „Ich möchte so schreiben, dass mich auch der Laie versteht.“ Es dürfte viele Ansbacher geben, die zumindest ein Werk von Hermann Dallhammer ihr Eigen nennen, sei es aus dem Bereich Historie oder Dialekt.

Sein Schaffen wurde ein weiteres Mal gewürdigt: 2008 erhielt Hermann Dallhammer die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein umfangreiches Werk.