alle Fotos: © Michael Vogel

 

WAK – Werkstatt für Allerlei Kultur e.V.

Laudatio von Elke Homm-Vogel

Wollte man WAK mit einem Satz charakterisieren würde der lauten:
„Alles – außer gewöhnlich“. Dieser Satz ist Programm!

Bereits beim Betreten der ‚Heimatbühne‘ von WAK, das ehemalige Kinos in Strüth, wird man in eine andere Welt katapultiert. Alles wurde in Eigenregie hergestellt. 4 Jahre lang, von 2005 bis 2009, hat ein Team von durchschnittlich 10 Personen 14tägig am Wochenende und in den Urlauben hier gearbeitet. Einrichtung, Licht, Technik, Sanitäranlagen und nicht zu vergessen, die strengen Vorgaben des Brandschutzes sind in ehrenamtlicher Arbeit entstanden. Die Gesamtinvestition beziffert WAK mit ca. 200.000 €.

Mit einem Eröffnungswochenende im September 2009, dem „WAK open“ wurde die Projektbühne der Öffentlichkeit präsentiert. Aber nicht mit einer einfachen Eröffnungsfeier, sondern mit einer Theatersatire, an der 27 Darsteller im Alter von 4 – 16 Jahren mitgearbeitet haben, mit einem Konzert- und Showabend, der „WAK Gala“ mit Künstlern aus der Region und mit einem „WAK to go“ Eventgottesdienst.

Schon allein für die ‚Projektbühne Strüth‘ müsste WAK einen Preis erhalten, denn dieser Veranstaltungsort sucht in der Region seinesgleichen!

Wie kam es überhaupt zur Projektbühne Strüth, bzw. zu WAK?
Im Jahr 1999 gründeten 16 Mitglieder in Petersaurach den Verein „Werkstatt für Allerlei Kultur e.V.“. Zweck des Vereins ist die Förderung von Kindern und Jugendlichen durch gemeinsames Einstudieren und Aufführen von kulturellen Projekten aus den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Film und Literatur.Bereits Jahre vor der Vereinsgründung hat eine Gruppe rund um Christa und Günter Sauernheimer mehrere Singspiele (‚Freude-Freude‘, ‚Eine sonderbare Nacht‘) und kleinere Musicals (‚Schrift an der Wand‘) mit Kindern im Alter von 4- 12 Jahren sowie musikalische Kabaretts mit Erwachsenen einstudiert und aufgeführt.

Die größten Herausforderungen für den auf mittlerweile 31 Mitglieder gewachsenen Verein waren die beiden großen Musical-Produktionen „Jona“ (2001/2002) und „Terra“ (2016).

Nach jeweils zweijähriger Vorbereitungszeit wurden beide Musicals sechs bzw. sieben Mal vor ausverkauftem Haus in Ansbach-Strüth aufgeführt. 60 Darsteller, die meisten im Alter von 8 bis max. 30 Jahren und 40 Mitarbeiter haben in wöchentlichem Rhythmus an Gesang, Choreografie, Text und Bühnenpräsenz gearbeitet. Castings, Workshops und Wochenendfreizeiten gehörten ebenso dazu wie das Entwerfen und Nähen von Kostümen.

Hervorzuheben ist, dass „Terra“ aus der Feder, Taste und Saite der Familie Sauernheimer stammt – also eine wahrhaftige Eigenproduktion ist!

Selbstverständlich musste das Theater für „Terra“ umgebaut werden. Insgesamt 10 Jahre dauerte es, bis alles – Bühne, Technik, Kulissen, Kostüme etc. dem Anspruch der WAKler entsprochen hat. Und – deren Ansprüche und Anforderungen sind hoch! Zusätzliche 160.000 € hat der „Terra“-Umbau verschlungen.

Warum das alles? WAK möchte mit ihren kulturellen Projekten die individuellen Gaben von Kindern und Jugendlichen fördern, Teamgeist bilden, strukturiertes und zuverlässiges Arbeiten vermitteln, soziale Integration und Kompetenz steigern um dadurch das Selbstwertgefühl der jungen Menschen zu stärken.

Das alles tun sie nicht nur während der Probenzeiten sondern viel intensiver und nachhaltiger bei den unterschiedlichen Wochenendfreizeiten, Zeltlagern und Seminaren, die sie nicht nur vorbereiten und organisieren, sondern selbst vor Ort sind und die Arbeit, das gemeinsame Erlebnis mit den jungen Menschen auch selbst leiten und begleiten.

Es gäbe noch viel zu erzählen über WAK, über die Mundartgedichte, -Theaterstücke und
Kompositionen, über Kunst- und Kulturwochenenden, Filmprojekte, Fotoshootings und Konzerte.

Aber kein Wort, kein Satz wird dem gerecht, was die Vereinsmitglieder von WAK für die Region, für Kinder und Jugendlichen auf die Bühne bringen, was die Frauen und Männer in aufopferungsvoller ehrenamtlicher Arbeit realisieren und in welcher Art und Weise sie junge Menschen motivieren und disziplinieren. Denn, ohne Struktur und Disziplin, Verantwortung und Verlässlichkeit sind diese ehrgeizigen Projekte nicht zu stemmen!

Als Anerkennung ihres Engagements hat WAK schon einige Preis entgegennehmen dürfen:
2002 wurde ihnen der „Bayerische Heimatpreis“ verliehen in der Sparte Kultur und Gemeinschaft, 2007 der „Bethel Preis“ für christlich orientierte Kulturarbeit und 2011 der „Georg Ehnes Gedächtnispreis“.Jetzt kommt ein neuer Preis für das Projekt „Terra“ hinzu:
Der Jugendkulturpreis der Stadt Ansbach!

 

Zu „Terra“:

Das Musical verarbeitet die biblische Geschichte der „Arche Noah“, jedoch futuristisch in die Zukunft projeziert. Das implizierte einen hohen technischen Aufwand. „Terra“ ist eine reine Eigenproduktion: Texte, Komposition, Arrangements, Choreographie, Regie –alles aus den WAK-Reihen. Kaum ein anderer hätte auch die hohen Ansprüche an Qualität und Professionalität erfüllen können. Das Casting für die 50 Darsteller des Musicals war allein schon ein Event. Obwohl auf allen on- und offline-Kanälen geworben wurde, lief das Casting nicht wie im Fernsehen ab. Durch den Grundsatz, Kinder und Jugendliche zu fordern und zu fördern, wurden auch diejenigen aufgenommen, deren gesangliche oder schauspielerische Leistung am Anfang als „nicht ausreichend“ bezeichnet worden wären. Jetzt würden diese jungen Leute jedes Casting bestehen! Das ist eine enorme Leistung für die Persönlichkeitsbildung und das Selbstvertrauen der Jugendlichen. Für jeden wurde die richtige Rolle gefunden! Wenn es nicht auf der Bühne war, dann in den Bereichen Licht-, Ton- und Videotechnik, bei Kulissen- oder Requisitenbau.

Alle sind ein Teil des Erfolges von „Terra“ und allen gehört der Jugendkulturpreis!