Rothenburg o.d.T., Klingentorbastei 1: Fassade und Umfassungsmauer mit Gartentor

Nicht nur Dinkelsbühl besitzt eine bestens erhaltene spätmittelalterliche Stadtbefestigung, sondern auch Rothenburg o.d.T. Zur nördlichen Toranlage am Klingentor aus dem 14.−16. Jahrhundert gehört u. a. das Anwesen Klingentorbastei 1. Der zweigeschossige, verputzte Fachwerkbau mit Mansardwalmdach ist zum Teil versteinert und birgt im Kern einen Eckturm der Stadtummauerung. Dieser sogenannte „Streichturm“, der von der Gartenseite her kaum, auf der Maueraußenseite jedoch gut als Turmbau nachvollziehbar ist, wurde 1493 als Verteidigungsturm errichtet.

Aufgrund von baulichen Erweiterungen im 18. Jahrhundert war die Turmform stark verunklärt worden. Vor allem durch den nachträglich hinzugekommenen Balkon am Ostgiebel hatte das Gebäude einen unproportionierten Charakter bekommen. Weil auch die Sandsteinmauer des Gartens inklusive Tor und Wappen schadhaft war, entschieden sich die Eigentümer nun für eine umfassende Instandsetzung von Fassade und Außenanlagen.

Um dem Gebäude seinen turmartigen Charakter zurückzugeben, hat man den Balkon im zweiten Obergeschoss abgebrochen, bevor dem Ostgiebel zur Gliederung der Fassade ein Gesims eingezogen wurde. Fenster- und Türgewände sowie sämtliche Klappläden wurden unter Verwendung der alten Beschläge erneuert, Läden, Balkongeländer und Fassade in einem dezenten Farbton neu gefasst. Einzig bei der Haustüre entschieden sich die Eigentümer für ein kräftiges Signalrot.

Die Sanierung der sandsteinernen Umfassungsmauer war ebenfalls Teil der Maßnahme. Hervorzuheben ist hier die Aufarbeitung der polychrom gefassten, reich profilierten Natursandsteinplatte am östlichen Außentor. Sie zeigt das reliefierte Wappen der Familie von Keget und stammt aus der späten Barockzeit (dat. 1785). Besonders die umsichtige Restaurierung dieses Wappens verdient besondere Anerkennung, denn derartige Kleinode werden leider allzu oft nur stiefmütterlich behandelt.

Wiltrud Gerstner