Merkendorf, Hauptstraße 26: Fassade

Als Bestandteil des Ensembles „Unteres Tor“ mit Torhaus, kleinem Fachwerkbau und Brunnen hat das Baderhaus in der Merkendorfer Altstadt einen ortsbildprägenden Standort. Die Errichtung des zweigeschossigen Satteldachbaus mit rückwärtigem Halbwalm wird für das 17. bzw. 18. Jahrhundert angenommen, wobei der Fund von schwarzem Sand auf einen älteren Kern des Gebäudes aus der Zeit vor dem 30-Jährigen Krieg schließen lässt. Aktuell laufende dendrochronologische Untersuchungen werden Gewissheit bringen. Seit Längerem befindet sich das Anwesen in Familienbesitz; Fachwerkobergeschoss und Fachwerkgiebel wurden bereits von den Großeltern der Eigentümer freigelegt.

Durch Beschuss und unmittelbare Kämpfe im Zweiten Weltkrieg hatte vor allem die Giebelfassade stark gelitten. Wegen absackender Fundamente wies die Südfassade zuletzt relativ große Risse auf und auch das Fachwerk war aufgrund eindringender Feuchte schadhaft. Von 2013 bis 2015 wurde das Äußere aufwendig instand gesetzt.

Der abschnittsweisen Unterfangung der süd- und westseitigen Außenmauer folgte eine umfangreiche Fassadensanierung. Dabei wurden die Risse geklammert und ausgefüttert, das zweiseitige Fachwerkobergeschoss restauriert und die Fassade neu gefasst. Die hellen Putzfelder setzen sich nun kontrastreich vom rot getünchten Fachwerk und den gleichfarbigen Fensterläden ab. Einige Fenster wurden durch neue, zweiflüglige Holzfenster mit Quersprossen und Wetterschenkeln ersetzt. Eine unvorhersehbare Schwierigkeit stellte die Restaurierung der originalen Haustüre dar. Nachdem diese zunächst durch unsachgemäße Behandlung stark gelitten hatte, war es nur unter größter Mühe möglich, das Stück aufzuarbeiten und in situ zu erhalten. Hier wie auch an den anderen Hausöffnungen sind die originalen Beschläge ein besonderer Blickfang. Nach seiner behutsamen Außensanierung schmückt das Anwesen nun den gesamten Platz am „Unteren Tor“ und wirkt als Vorbild, dem andere gerne nacheifern dürfen!

Wiltrud Gerstner