Dinkelsbühl-Seidelsdorf, Nr. 1: Knorrenmühle

Im 30-Jährigen Krieg wurde Seidelsdorf samt seiner Knorrenmühle abgebrannt, ab 1673 sukzessive wieder aufgebaut. Die wenigen, historisch relevanten Gebäude im Ort entstammen daher dem 18. und 19. Jahrhundert. Auf das erste Viertel des 19. Jahrhunderts ist die ehemalige Wassermühle datiert, wobei ihr gewölbter Erdkeller und das Fundamentmauerwerk wahrscheinlich noch aus der Vorkriegszeit stammen. Kleinere Umbauten des zweigeschossigen, unverputzten Sandsteinbaus mit Satteldach betreffen vornehmlich das Innenleben. In den 1960er Jahren wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Die Knorrenmühle stand leer, bis ihre jetzigen Eigentümer sie erwarben und 2015 eine Gesamtsanierung durchführten.

Da eine Mühle wegen der andauernden Erschütterungen stärker beansprucht wird als andere Gebäude, wurde schon zur Bauzeit darauf geachtet, kräftige Balken zu verwenden. Insofern wies das Objekt keine statischen Mängel auf. Selbst der Dachstuhl befand sich in gutem Zustand. Am Außenbau wurden lediglich Reparaturarbeiten an der Sandsteinfassade vorgenommen und das Dach mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt. Die in die Jahre gekommenen Fenster sind sprossengeteilten Holzfenstern gewichen, für die alte Beschläge wiederverwendet wurden. Als Zugeständnis an moderne Wohnansprüche sind die Dachflächenfenster zu werten. An der rückseitigen Westfassade hat man außerdem zwei Fenster zu Terrassentüren erweitert, denn das Flachdach des ehemaligen Mühlradanbaus dient jetzt als Terrasse.

Im Inneren konnte das ursprüngliche Raumgefüge wiederhergestellt werden, nachdem man nachträgliche Einbauten entfernt hatte. Das gesamte Fachwerk im Erdgeschoss wurde freigelegt und aufgearbeitet. Die Deckenverbretterung in der ehemaligen Mühlentenne besteht aus zweitverwendetem Holz. Die Türen des Hauses wurden zimmermannsmäßig repariert.

Hoch anzurechnen ist den Eigentümern nicht nur ihr finanzieller Einsatz, sondern auch der physische: ein ganzes Jahr arbeitete das Ehepaar jedes Wochenende in ihrer Mühle. Das Ergebnis der behutsamen Sanierung kann sich sehen lassen.

 

Wiltrud Gerstner