Dinkelsbühl, Kapuzinerweg 9

Dinkelsbühl war einst vollständig von einer Stadtmauer umgeben. Sie zählt deutschlandweit zu den am besten erhaltenen spätmittelalterlichen Befestigungen. Anbauten an diesen Mauergürtel waren strikt verboten. Das Anwesen Kapuzinergasse 9 bildet aber eine Ausnahme, denn immerhin errichtete es der damalige Stadtbaumeister für sich und seine Familie. Während das Wohnhaus erst 1900 entstand, stammt das Gartenhäuschen noch aus dem 18. Jahrhundert. Von Westen begrenzt die Stadtmauer beide Bauten und das Gartengrundstück.

Vor allem das Gartenhaus – ein kleiner, zweigeschossiger Putzbau auf drei mal drei Metern Grundfläche mit Walmdach – war wegen eindringender Feuchtigkeit in keinem guten Zustand und wurde von den Eigentümern zuletzt nur noch als Abstellraum genutzt. 2012 bis 2014 unterzogen sie das gesamte Anwesen einer Sanierung, in deren Zuge das Gartenhäuschen eine Umnutzung zum Gästehaus erfuhr. Nachdem ihm ein stabiler Dachstuhl aufgesetzt worden war, wurde sein Dach unter Verwendung der alten Biberschwanzziegel neu gedeckt. An seine Ostseite wurde ein neuer Anbau mit Glasfronten und Schwebetüren gefügt. Da an gleicher Stelle vorher ein Holzschuppen stand und man diesen Charakter beibehalten wollte, wurde der Anbau mit Holzlatten verkleidet.

Bis zuletzt konnte man das Obergeschoss des Gartenhäuschens nur über eine Außentreppe erreichen. Diese wurde entfernt und durch eine Verbindungstreppe im Inneren ersetzt. Anstelle der ehemaligen Zugangstür zieren nun zwei neue Holzfenster die Fassade.

Sowohl im Gartenhaus als auch im Wohnhaus wurde die angrenzende, ehemals verputzte Stadtmauer freigelegt. Sie wirkt in Verbindung mit den Solnhofener Fußbodenplatten stimmig und passt hervorragend zu den fachgerecht aufgearbeiteten Böden, Türen und der Treppe des Wohnhauses. Letzterem verleihen neue Holzfenster im Dinkelsbühler Stil ein optisch vorbildliches Gewand, wobei weder das Wohnhaus noch das Gartenhaus durch die Eingriffe an Außenwirkung einbüßten. Die denkmalgerechte Maßnahme verdient auch deshalb Würdigung, weil das Wohnhaus keinen Einzeldenkmalstatus innehat.

Text: Wiltrud Gerstner